Auch im alten China war der politische Mord nicht unbekannt. In dem riesigen Palast des Kaisers von China wird ein Palastverwalter ermordet. Die Gründe sind unklar. Und da unser Held, ein aufstrebender Beamter und nebenbei Nachfolger des Opfers, gerade nichts wichtiges zu tun hat, wird er beauftragt, den Mörder zu finden.


Ganz schön groß dieser Palast. Da einen Mörder finden...
  Und so zieht man los und rennt durch den Palast. (Ein ziemlich großes Areal übrigens. Keine kleine Ritterburg.) Spricht mit Enuchen, konfuzianischen Lehrern, Prinzen, Konkubinen des Kaisers und Beamten des Hofes. Und da ja alles einer strengen Hierarchie unterliegt, muß man sich, um einige Bereiche zu betreten, erst die notwendigen Papiere besorgen, was ziemlich schnell in Rennerei ausartet. Und im Verlauf der Handlung bemerkt man, daß es sich keineswegs um einen Mord aus Karrieregeilheit bzw. das Werk eines durchgeknallten Enuchen ist, sondern eine Verschwörung dahintersteckt, die den Sturz des Kaisers zum Ziel hat, was natürlich verhindert werden soll.
     
Mörder, Komlize oder nur dientsbeflissene Wächter? - Mit dem richtigen Papier lassen sie einen bestimmt passieren.
  Wie auch beim Grab des Pharao wurden hier neben dem eigentlichen Spiel auch Erläuterungen zum historischen Hintergrund eingearbeitet. Hier wurden sie aber wirklich ins Spiel eingearbeitet, denn bei interessanten Gegenständen, Gebäuden oder Personen, kann man die Informationen während des Spiels abrufen, ohne es unterbrechen und ins Glossar wechseln zu müssen. Die Architektur und der Aufbau des Palastes sind gemäß den historischen Vorgaben, die Dienstwege, die es im Spiel zu beschreiten gilt, wohl auch. Leider. Ungefähr ein Drittel der Spielzeit verbringt man damit, zu den Palastverwaltern zu gehen, um die notwendigen Erlaubnisse einzuholen, die man braucht, um vorwärtszukommen. Ansonsten erstattet man dem Kaiser Bericht oder spricht mit dem weisen Lehrer. Das, was dann noch übrig bleibt, ist aber durchaus spannend anglegt. Wie beim Grab des Pharaos erfolgt die Handlung ebenfalls linear, d.h. man hängt solange total fest ohne weiterzukommen, bis man den entscheidenden Schritt getan hat. Wild durch die Gegend ziehen und Puzzleteile zusammensammeln und anschließend zusammenfügen ist nicht möglich. Schade eigentlich, denn die spannende Story und der weitläufige Palast hätten sich dafür angeboten.
     
Die Animation der Spielfiguren ist schick, die Musik atmosphärisch und die Grafik versetzt einen unittelbar ins alte China. Haarig ist aber die Steuerung, denn man muß pixelgenau das Ziel anvisieren, bis der Mauspfeil in das Symbol umschaltet, das man gerade braucht. Da wird die Suche oft zum Geduldsspiel und man knobelt rum, obwohl man eigentlich nur noch nicht den entsprechenden Pixel erwischt hat. Auf der großen Palastkarte ist das besonders lästig. Ärgerlich ist aber ein Programmierfehler. Um ein Puzzle zu lösen, brauchte ich einen Gegenstand aus dem Schrank des Verstorbenen. Laut beiliegender Lösung von Ravensburger sollte er sich dort auch befinden. Aber er war ums Verrecken nicht anzuklicken. Nachdem ich nochmal ganz von vorne mit einem neuen Spiel angefangen habe, war er dann, oh Wunder, vorhanden. Auch stürzte das Spiel auf meinem System ganz gerne mal ab.  
Ein ermorderter Palastverwalter. War er das letzte Opfer?

Von den beiden historischen Spielen von Ravensburger ist Verrat in der verbotenen Stadt eindeutig das bessere. Die Verquickung von Lernen und Spiel ist gelungen, die Story sehr viel spannender und man hat mehr zu tun und muß nicht sechs Bildschirme lang durch eine dröge Pyramide irren. Der Adventure-Meilenstein ist es aber noch lange nicht.

Grafik
Idee
Spielspaß
Gesamtwertung
 

Redaktion:

Kai Surendorf